Vielleicht nicht 9 Euro, aber in jedem Fall günstig

Veröffentlicht am 09.08.2022 in Kreisverband
 

Das 9-Euro-Ticket muss eigentlich nicht weiter besprochen werden. Es ist ein riesiger Erfolg. Es ist viele Millionen mal verkauft worden. Es sichert Menschen Mobilität, die sich das sonst nicht leisten könnten und das viel besser, als es unser immer wieder gefordertes Sozialticket könnte. Es hilft aber nicht nur denen, die den ÖPNV auch nutzen, es ist selbst für die Autofahrer gut. Auch Freiburg gehört zu den vielen Städten, in denen die üblichen Staus vielleicht nicht verschwunden sind, aber doch deutlich kürzer wurden.

So weit, so simpel. Vielleicht leuchtet das sogar dem Porsche-Chef ein und der sagt seinem Mann im Finanzministerium Bescheid. Immerhin gibt es ja mehr Platz für die Rennschüsseln, wenn die Leute auf einmal doch Bus und Zug nehmen.

Ich möchte aber trotz meiner Freude über den Erfolg dieses Tickets etwas Wasser in den Wein gießen und dazu muss ich mir nur die Situation in der Regio anschauen.

  1. Tausende von Hochschwarzwäldern werden wohl über meine bisherigen Zeilen lachen und auch unten im angeblich so gut erschlossenen Rheintal sind viele Gemeinden nicht wirklich gut versorgt. Die Verhandlungen zum Nahverkehrsplan haben das gezeigt. Verbesserungen wird es im Zuge der Umsetzung in den nächsten Jahren nicht wirklich geben.
  2. Wer soll das bezahlen? In der Vollversammlung des Zweckverbands Regionalverkehr Freiburg (ZRF) gab es in Sachen Kosten auch jenseits des 9-Euro-Tickets einen düsteren Ausblick. Die Preise im Verbund werden jetzt im Herbst leicht steigen. Das wäre an sich verkraftbar. Beschlossen wurden diese Anpassungen aber, bevor die Dieselpreise explodierten. Eigentlich müssten 10% drauf und das sind Aussichten, die so gar nicht zu der 9-Euro-Euphorie passen.

Was also tun?

Wir müssen schlicht ändern, wie wir Verkehr finanzieren. Bislang wird der Individualverkehr mit dem Auto massiv subventioniert, für den ÖPNV bleibt nur recht wenig übrig. Es ist schon interessant: Das 9-Euro-Ticket kostet dem Bund für diese drei Monate gerade mal 2,5 Milliarden Euro. Aufs Jahr gerechnet sind das dann 10 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Die Dieselsubvention lässt sich der Bund jährlich bereinigt gut 1,5 Milliarden Euro kosten. Für das Dienstwagenprivileg kommen gut 4 Milliarden Euro Subventionierung zusammen. Die Kilometerpauschale kostet 5,5 Milliarden. Das reicht zusammen fürs 9-Euro-Ticket, ist so aber wohl nicht durchsetzbar. Aber man muss ja nicht bei 9 Euro bleiben. Auch zwanzig Euro wären noch ein sehr guter Preis. Und nein, Herr Lindner, mit Gratis-Mentalität hat weder das eine noch das andere zu tun.

Das hilft aber alles exakt den Leuten nicht, für die der ÖPNV schlicht (noch) keine Alternative ist. Siehe oben. Wir müssen deshalb den ÖPNV auch massiv ausbauen und auch dafür brauchen wir viel Geld. Vielleicht das beste Argument für einen Kompromiss zwischen 15 und 20 Euro. Dann bleiben immer noch einige Milliarden pro Jahr für diese Aufgabe übrig.

Oswald Prucker

 

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