Absurde Laufzeitverlängerung

Veröffentlicht am 11.08.2022 in Kreisverband
 

Unser Beitragsbild zeigt das AKW Neckarwestheim, eines der drei letzten noch in Betrieb befindlichen AKWs Deutschlands.

Meine persönliche Haltung zur Kernenergie hat sich in der Folge der Tschernobylkatastrophe herausgebildet. Damals habe ich mich stark mit der Frage befasst, welcher Reaktortyp nun sicherer oder weniger sicher wäre. In Deutschland hieß es ja vonseiten der Regierung und der Kraftwerksbetreiber immer, dass so etwas bei uns nicht passieren könnte, weil ja alles viel besser gebaut sei. Irgendwann fand ich für mich die Diskussion um den sicheren Betrieb schließlich irrelevant. Letztlich ist es schlicht der Atommüll, der die ganze Energieform unanständig macht.

Vor diesem Hintergrund ist es mir schließlich relativ egal, wenn wir mit einem „Streckbetrieb“ den letzten Reaktor erst Ende März 2023 statt zum Jahresende abschalten. Mehr Atommüll entsteht dadurch dann auch nicht. Ob es sinnvoll ist, das mag ich nicht beurteilen, immerhin sind aber selbst die Betreiber der Anlagen nicht wirklich begeistert von dieser Idee. Nachvollziehbar, denn alle Planungen sind nun einmal auf das Jahresende ausgelegt und Kernkraftwerke sind keine manuellen Olivenölpressen.

In der Tat würde der Weiterbetrieb der Anlagen vielleicht sogar etwas gegen die Gasknappheit tun, denn aktuell laufen unsere Gaskraftwerke scheinbar auf Hochtouren. Der Grund dafür ist geradezu skurril: Der Strom wird in Frankreich gebraucht, weil dort grob die Hälfte aller Reaktoren steht, weil sie gerade gewartet werden, marode sind oder das Kühlwasser der Flüsse ob der gegenwärtigen Hitze zu warm ist. Unser Atomstrom (offensichtlich sind unsere Flüsse nicht zu warm?) würde also den fehlenden französischen Atomstrom ersetzen.

Das ist absurd, aber absurd ist zur Zeit ja so vieles.

Es ist allerdings nicht so absurd, als dass man nichts daraus lernen könnte. Ganz offensichtlich ist es egal wie keine gute Idee, sich auf einen Energieträger zu versteifen. Es entstehen immer Abhängigkeiten, die sich auch unvorhersehbar rächen können.

Was mir aber in Sachen Kernkraft völlig gegen den Strich geht, das sind die Forderungen, über einen kurzfristigen Streckbetrieb über die Wintermonate hinaus weiter zu machen. Neue Brennelemente und gar neue Reaktoren werden gefordert. Die Begründung ist immer der Klimaschutz. Kernkraft wäre CO2-neutral. Ach du meine Güte! Ja, im Reaktor schon, aber da muss das Uran erst einmal hinkommen. Brennelemente – das wird gerne übersehen – wachsen nicht an Bäumen und werden unter Gesängen und Trommelschlag in lauen Vollmondnächten biologisch-dynamisch geerntet. Nein. Uranbergbau ist ein schmutziges Geschäft. Ein teures obendrein.

Über die Bauzeiten neuer Reaktoren mag ich gar nicht schreiben. Man informiere sich dazu im Kernenergiemusterland Frankreich.

Lasst uns was anderes tun: Erneuerbare konsequent ausbauen und zwar in jeder Form und effizienter in der Nutzung der Energie werden. Anders wird das eh nix mit unseren Klimazielen.

Oswald Prucker

 

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